Das Wichtigste zuerst: Du musst nicht alles sofort lösen. Einige Dinge solltest du zeitnah klären, für andere Entscheidungen darfst du dir bewusst Zeit nehmen. Und damit du für dich die Dinge besser einordnen kannst, habe ich dir konkrete Schritte ausgearbeitet, an denen du dich entlanghangeln kannst.
“Auch wenn es sich im ersten Moment kaum so anfühlt: Eine Kündigung kann der Beginn einer neuen beruflichen Perspektive sein.”
Schritt 1: Nimm dir Zeit, die Situation zu verarbeiten
Eine Kündigung kann starke Gefühle auslösen: Wut, Trauer, Unsicherheit oder sogar Erleichterung. All das ist normal.
Versuch nicht, deine Emotionen sofort wegzuschieben. Gib dir Zeit, die Nachricht zu verarbeiten. Wenn der erste Schock nachlässt, fällt es dir leichter, klare Entscheidungen zu treffen.
Wichtig ist auch: Eine Kündigung sagt nicht automatisch etwas über deine Leistung aus. Sie ist abhängig vom Kündigungsgrund. Gerade bei Umstrukturierungen oder wirtschaftlichen Veränderungen verlieren viele Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz, obwohl sie gute Arbeit geleistet haben. Es liegt also nicht immer an dir. Vielleicht hattest du einfach nur Pech, zum falschen Zeitpunkt im falschen Unternehmen zu sein.
Schritt 2: Prüfe deine Unterlagen sorgfältig
Schau dir das Kündigungsschreiben in Ruhe an. Stimmen das Kündigungsdatum, die Kündigungsfrist und der Beendigungstermin? Bewahre außerdem wichtige Unterlagen wie deinen Arbeitsvertrag, Gehaltsabrechnungen, Arbeitszeitaufzeichnungen und vorhandene Dienstzeugnisse gut auf.
Je nach Situation können auch Themen wie eine Abfertigung, offene Urlaubstage, Sonderzahlungen oder eine einvernehmliche Auflösung eine Rolle spielen. Unterschreibe nichts vorschnell. Wenn du dir bei Fristen, Ansprüchen oder Formulierungen unsicher bist, hol dir möglichst früh Unterstützung – zum Beispiel bei der Arbeiterkammer, deiner Gewerkschaft oder einer arbeitsrechtlichen Beratung. Manchmal macht eine Kündigungsanfechtung auch Sinn.
Wenn deine Kündigung aus wirtschaftlichen Gründen ausgesprochen wurde, sind oft auch andere Kolleginnen und Kollegen betroffen. Das heißt, du hast Gleichgesinnte, mit denen du dich austauschen und gemeinsame Schritte gehen kannst.
Sonderfall: Einvernehmliche Auflösung
Vielleicht bietet dir dein Arbeitgeber statt einer Kündigung eine einvernehmliche Auflösung an. Dabei endet das Arbeitsverhältnis im gegenseitigen Einvernehmen. Unterschreibe eine solche Vereinbarung nicht unter Zeitdruck, sondern prüfe genau, welche Folgen sie für Fristen, offene Ansprüche und deine finanzielle Absicherung hat. Hol dir bei Unsicherheit rechtliche Beratung.
Schritt 3: Melde dich rechtzeitig beim AMS
Auch wenn du davon ausgehst, schnell wieder eine neue Stelle zu finden, solltest du dich rechtzeitig beim AMS melden und deinen Antrag auf Arbeitslosengeld stellen. Das ist bereits bis zu drei Wochen vor dem Ende deines Dienstverhältnisses möglich.
Schiebst du die Meldung zu lange auf, können finanzielle Nachteile und Lücken bei der Kranken- oder Pensionsversicherung entstehen. Auch wenn sich dieser Schritt zunächst unangenehm anfühlt: Er gibt dir finanzielle Sicherheit und schafft eine wichtige Grundlage für deinen Neustart.
Nur weil du dich arbeitssuchend meldest, heißt es noch lange nicht, dass du arbeitssuchend bleibst. Sieh es als Formalität und nicht als Niederlage.
Schritt 4: Überleg, bevor du handelst!
Nach einer Kündigung entsteht oft der Wunsch, sofort aktiv zu werden. Manche verschicken innerhalb weniger Stunden unzählige Bewerbungen. Massenbewerbungen aus Panik heraus. Und im Worst Case kommt es zu einer beruflichen Fehlentscheidung.
Doch nutze die Zeit lieber, um dir selbst ein paar Fragen zu stellen:
- War ich in meinem bisherigen Job wirklich glücklich?
- Welche Aufgaben haben mir Freude gemacht?
- Welche Tätigkeiten möchte ich künftig lieber vermeiden?
Eine Kündigung kann dir die Chance geben, deinen Berufsweg bewusst neu auszurichten – statt einfach den nächsten ähnlichen Job anzunehmen.
Schritt 5: Verschaff dir einen Überblick über deine finanzielle Situation
Ein großer Teil der Unsicherheit entsteht durch die Frage, wie es finanziell weitergeht. Besonders belastend kann eine Kündigung sein, wenn du gerade eine Familie gegründet, ein Haus gebaut oder andere größere finanzielle Verpflichtungen übernommen hast.
Verschaff dir deshalb möglichst früh einen Überblick:
- Welche laufenden Kosten hast du?
- Welche Rücklagen stehen dir zur Verfügung?
- Wie hoch könnte dein Arbeitslosengeld vom AMS ausfallen?
- Hast du Anspruch auf eine Abfertigung oder noch offene Zahlungen?
Ein klarer Überblick kann dir bereits einen Teil der Sorgen nehmen. Wenn du deine finanzielle Situation kennst, kannst du deine nächsten Schritte ruhiger und realistischer planen. Und du weißt, wie lange du im ungünstigsten Fall finanziell abgesichert bist.
Bei Fragen zu deinen Ansprüchen kannst du dich an das AMS oder die Arbeiterkammer wenden.
Schritt 6: Aktualisiere deine Bewerbungsunterlagen
Falls du es nicht schon bei den ersten Anzeichen für eine Kündigung gemacht hast: Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, deinen Lebenslauf zu überarbeiten und deine bisherigen Erfahrungen zusammenzufassen. Oft fällt es schwer, die eigenen Stärken objektiv zu sehen. Überleg deshalb bewusst, welche Erfolge du erzielt und welche Fähigkeiten du in den vergangenen Jahren aufgebaut hast.
Viele Kompetenzen und Stärken erscheinen dir im Arbeitsalltag vielleicht selbstverständlich. Für einen neuen Arbeitgeber können genau diese den entscheidenden Unterschied machen. Wir neigen oft dazu, uns selbst zu klein darzustellen. Selbstzweifel kommen oft in Stresssituationen wie beim Jobverlust auf. Drum hol dir gerne auch Hilfe von außen.
Du brauchst schnelle Unterstützung bei Bewerbung oder Interview?
Wenn deine Bewerbungsunterlagen dringend ein Update brauchen oder ein Vorstellungsgespräch bevorsteht, kannst du dir im SOS Job Coaching gezielt Unterstützung holen. In 75 Minuten arbeiten wir konkret an deinem aktuellen Thema – von CV und Bewerbung bis zur Vorbereitung auf dein nächstes Job-Interview.
Schritt 7: Nutze dein Netzwerk
Nicht jede Stelle wird öffentlich ausgeschrieben. Auch wenn der Arbeitsmarkt gerade schwierig ist, gibt es Möglichkeiten für dich. Informiere Menschen aus deinem beruflichen Umfeld darüber, dass du dich neu orientierst. Oft ergeben sich Chancen genau dort, wo du sie nicht erwartest.
Ein offenes Gespräch mit ehemaligen Kolleginnen und Kollegen oder anderen beruflichen Kontakten kann dir Türen öffnen, die über klassische Stellenanzeigen nicht sichtbar sind. Auch das „Open to Work“-Signal auf beruflichen Netzwerken wie LinkedIn oder XING kann dabei helfen, deine Jobsuche sichtbar zu machen.
Schritt 8: Gib deinem Alltag Struktur
Nach einer Kündigung fällt oft nicht nur der Job weg, sondern auch der gewohnte Tagesablauf. Viele fallen in ein Loch. Deshalb hilft es, dem Alltag bewusst eine neue Struktur zu geben.
Plane feste Zeiten für deine Jobsuche, aber auch für Bewegung, Erholung und soziale Kontakte ein. Du musst nicht den ganzen Tag Stellenanzeigen durchsuchen, um voranzukommen.
Nutze die Zeit außerdem für deine Weiterentwicklung. Vielleicht möchtest du eine Weiterbildung absolvieren, digitale Kompetenzen ausbauen oder dich intensiver mit einem Thema beschäftigen, das für deinen nächsten beruflichen Schritt wichtig ist.
Schritt 9: Entwickle eine klare Strategie für deine Jobsuche
Bevor du wahllos Bewerbungen verschickst, solltest du dir überlegen, wonach du eigentlich suchst.
Welche Aufgaben möchtest du künftig übernehmen? Welche Rahmenbedingungen sind dir wichtig? Und welche Unternehmen oder Branchen passen zu deinen Erfahrungen und Zielen?
Je klarer dein Ziel ist, desto gezielter kannst du nach passenden Stellen suchen, dein Netzwerk ansprechen und deine Bewerbungsunterlagen darauf ausrichten.
Massenbewerbungen sind lang nicht so erfolgreich wie individuelle, gezielte Bewerbungen.
Schritt 10: Hol dir Unterstützung für deine Neuorientierung
Du musst deine berufliche Neuorientierung nicht allein bewältigen.
Ein Outplacement oder Karrierecoaching kann dir dabei helfen, deine nächsten Schritte zu sortieren, ein klares berufliches Ziel zu entwickeln und deine Jobsuche strategisch anzugehen. Dazu gehören zum Beispiel deine Positionierung, Bewerbungsunterlagen, Vorstellungsgespräche und die Auswahl passender Stellen.
Prüf auch, ob dein ehemaliger Arbeitgeber ein Outplacement Coaching angeboten oder finanziert hat. Falls das Thema bisher nicht besprochen wurde, kann es sich lohnen, noch einmal nachzufragen.
Was ist Outplacement Coaching?
Outplacement Coaching unterstützt dich nach einer Kündigung bei deiner beruflichen Neuorientierung – von der Standortbestimmung über die Bewerbungsstrategie bis zum Vorstellungsgespräch. Die Kosten übernimmt häufig der bisherige Arbeitgeber.
Professionelle Unterstützung soll dich nicht möglichst schnell in irgendeinen Job bringen. Sie soll dir dabei helfen, eine Position zu finden, die wirklich zu dir und deiner aktuellen Lebenssituation passt. Und die vorallem langfristig ist.
Fazit
Ja, eine Kündigung kann wehtun. Kann deine Welt auf den Kopf stellen. Und dich in ein Loch werfen.
Aber versuche, deine Kündigung nicht mit deinem persönlichen Wert gleichzusetzen. Du bist deutlich mehr als deine letzte Stellenbezeichnung oder eine Personalnummer. Und wo sich eine Tür schließt, geht auch wieder eine neue auf.